ZUGSPITZE

DEUTSCHLAND 2018

Gratwanderung auf Deutschlands höchsten Berg – die Zugspitze

Zu einer ganz besonderen Bergtour im Wettersteingebirge verabredete ich mich mit Peter Schlickenrieder Mitte August 2018.

Antrieb zu dieser Bergtour war, dass ich jeden Tag beim Blick aus dem Fenster die massive Bergkette der Zugspitze erkenne und so schon lange den Wunsch hegte, diese Tour in die Tat umzusetzen. Das Besondere an unserem Vorhaben war, dass wir an einem Tag über die drei Grate Graif-, Blassen- und Jubiläumsgrat auf Deutschlands höchsten Berg, die Zugspitze steigen wollten.

Für die Tour waren eineinhalb Tage angedacht und so starteten wir mittags in Partenkirchen durch die Partnachklamm talaufwärts. Unser erstes Etappenziel war die Stuibenhütte (1635 m). Normalerweise ist die Selbstversorgerhütte nur im Winter geöffnet, doch für unser Projekt durften wir ausnahmsweise dort übernachten.

Peter und ich waren nicht alleine unterwegs, sondern wurden während der gesamten Tour von einer Filmcrew und zwei Bergführern, die für die Sicherheit des Kamerateams sorgten, begleitet.

Als wir am nächsten Tag die Hütte gegen sechs Uhr verließen, war der Himmel schon rot verfärbt und es wurde langsam Tag. Mit Respekt vor der anstehenden, gut zehn Kilometer langen Wegstrecke mit rund 2400 Höhenmetern, starteten wir die zweite Etappenstrecke. Wir hatten zwar beide schon viel Erfahrung und kannten die meisten Gratabschnitte, aber alle drei an einem Tag zu absolvieren, war eine große konditionelle Herausforderung.

Als erstes ging es mit voller Vorfreude hinauf zum Mauerschartenkopf. Der erste Teil am Gaifgrat war die perfekte Aufwärmübung, da er alle Spielarten von uns abverlangte. Konzentriertes Klettern am Grat, Wegfinden zwischen Fels und Gras und zwei sehr exponierte Abseilstellen. Wir kamen gut vorwärts und erreichten schon nach zwei Stunden den ersten Gipfel: dem 2288 Meter  hohen Gaif. Ein Blick in das Gipfelbuch zeigte, dass dies nicht unser erster Besuch hier war.

Um zügig voranzukommen, kletterten wir außer der Abseilstelle den gesamten Grat seilfrei.

Als nächstes kam der bekannte Verhauer. Einige Türmchen werden direkt beklettert und man hält sich zumeist direkt am Grat. Die Schwierigkeiten liegen hier zwischen dem I. und III. Grat und der Fels ist für Wettersteinverhältnisse doch sehr solide.

Nach einer drei Meter langen Abkletterpassage kam die wohl interessanteste Stelle, der Reitergrat. Dieses Teilstück ist sehr imposant, da der Weg über eine Strecke von ca. dreißig Metern nicht mehr als hüftbreit ist.

Nach einigen anstrengenden Höhenmetern erreichten wir gegen Mittag den Hochblassen. Mit 2703 Metern war dies erstmal der höchste Punkt unserer Tour. Weiter kletterten wir wie in Trance, auf alle Schwierigkeiten vorbereitet und fanden den nicht immer einfachen Weg in leicht brüchigem Gelände gut. Teilweise waren wir stark in Nebel gehüllt, sodass es unserer Tour eine mystische Stimmung verlieh.

Ehe wir uns versahen, waren wir schon auf den Jubiläumsgrat abgebogen. Der „Weg“ (natürlich nicht vergleichbar mit einem Wanderweg oder Klettersteig) zeigte nun deutlich mehr Begehungsspuren und wir kamen schleunig voran. Nach der steilen Kletterstelle am Vollkarspitzerl erreichten wir bald die neue, rotleuchtende Biwakschachtel.

Nach viel Auf und Ab führte uns der Jubiläumsgrat weiter zur Inneren-Höllentalspitze. Trotz zunehmender Müdigkeit mussten wir die Konzentration weiterhin aufrechterhalten, um die kleinen Tritte präzise zu treffen. Der aufkommende Wind wehte uns eine frische Brise ins Gesicht und wir nutzten die kurze Verschnaufpause, um eine Jacke überzustreifen. Nach einem letzten Energiekick in Form von leckerer Schokolade nahmen wir die letzten Aufwärtsmeter in Angriff.

Nach gut zehn Stunden hatten wir es geschafft, wir waren am Gipfel der Zugspitze angekommen. Ein großer Kraftakt ging zu Ende und wir lagen uns freudig, aber auch ein bisschen stolz in den Armen. Wir setzten uns direkt unter das große, goldene Gipfelkreuz. Die Erlebnisse der letzten beiden Tage kamen uns wie eine Ewigkeit vor. Diese intensive Zeit am Berg war für mich ein wahres Glück und ist immer wieder etwas Einzigartiges!

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