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IRAN

DAMAVAND 2019

Vielen Dank für diese horizonterweiternde und aufregende Reise!

Eine Skitouren-Reise nach der langen Wintersaison ist fast schon Routine bei mir. Unser diesjähriges Ziel sollte der Iran werden – auch wenn dies sicherlich alles andere als Standard ist.

Der harte Kern, rund um Peter Schlickenrieder, blieb bestehen und so starteten wir zu acht die Reise in den Nahen Osten. Wir wollten die islamische Republik, welche früher als Persien bekannt war, mit Tourenski erkunden und dabei möglichst viele Eindrücke vom Land, den Menschen und den Bergen sammeln.

Der Iran mit seinen Nachbarländern Afghanistan, Pakistan, Irak und Türkei, liegt eingebettet zwischen dem persischem Golf und dem kaspischem Meer. Mit 10 Grad Außentemperatur lud es zwar nicht direkt zum Baden ein, aber wie oft wird man wohl noch die Möglichkeiten haben dort ein Vollbad zu nehmen? Für uns war es jedenfalls eine willkommene Abwechslung während des Transfers.

Die Dimensionen der angrenzenden Länder wurden mir erst während der langen Autofahrten bewusst. Die unterschiedlichen Landschaften zogen nur so an uns vorbei: blaues Meer, dichte Wälder, riesige Hochebenen, trockene Wüsten, historische und moderne Städte, rotblühende Mohnblumenfelder, sowie der Vulkanberg Damavand mit einer Höhe von 5.671m.

Wir starteten mit einigen Akklimatisationstouren im zentralen Zagros-Gebirge und durften nach dem ersten 4.000er bei einer einheimischen Nomadenfamilie zu Abend essen. An das Kopftuch in der Öffentlichkeit konnten wir uns relativ schnell gewöhnen, dass die Frauen jedoch im Keller kochten und dort auch alleine essen mussten war für uns dennoch ungewohnt. Der Begriff Freiheit hat für mich während der Reise nochmal einen ganz anderen Stellenwert bekommen.

Wir wollten aber nicht nur die Berge erkunden, sondern auch noch weiter in die Kultur dieses Landes eintauchen. Dafür eignete sich die Stadt Isfahan perfekt. Abends zeigte sich die 33-Bogen-Brücke von ihrer schönsten Seite. Der Naqsch-e-Dschahan Platz (Platz des Imams) mit einer Fläche von knapp neun Hektar, aus dem 16. Jahrhundert, war atemberaubend. Die Eindrücke dieses architektonischen Werkes wurden mit einem Besuch eines Bazars abgerundet. Frische Datteln, Fruchtleder, Tee und Nüsse mussten als Proviant für die kommenden Touren gekauft werden.

Bei stürmischen Bedingungen erklommen wir den Kaska Mountain und reisten vorbei an der Hauptstadt Teheran in die angrenzende Bergregion Taleqan in der Provinz Alborz.

Unser Guide Mohammad kannte das Gebiet wie seine Westentasche. Dank Ihm hatten wir die Möglichkeit am zweithöchsten Berg des Irans, dem Alam Kuh, eine wunderschöne Traverse zu erkunden. Die Täler maßen riesige Flächen und forderten unseren Orientierungssinn besonders heraus.

Andere Skitourengeher oder auch Skispuren waren Fehlanzeige. Auf der Südseite wartete in einer kalten Steinhütte bereits unser 70-jähriger Koch Haji mit einem leckeren Essen. Als besonderes Highlight gab es Espresso und einen „Ostersonntags-“ Kuchen, denn er hätte gehört, dass dies ein wichtiger Feiertag für uns sei. Der Kuchen schmeckte jedenfalls vorzüglich und Hajis kindhaftes Lachen sollte uns noch länger begleiten.

Der Winter hielt Ende April Einzug im Iran und so erreichten wir bei Schnee- und Graupelschauern den Wandfuß des Damavands. Die Besteigung des Vulkanbergs war definitiv eine kalte Angelegenheit. Laut Wetterbericht waren es -27°C  am Gipfel. Durch die exponierte Lage zehrte der  Wind zusätzlich an unseren Körpern. So waren wir überglücklich, als wir die Anstrengungen gemeistert hatten und bei Sonnenschein gemeinsam am Gipfel auf 5.671m Höhe ankamen. Nun galt es die Schwefelfahne hinter sich zu lassen und auf wechselndem Schnee sicher zurück zur Hütte zu fahren.

Das Steingebilde war sicherlich eine Erfahrung für sich.  Denn Schnee war auch im Innern präsent. Jeder Toilettengang war gut überlegt und die spartanische Einrichtung ist nicht mit westlichen Standards vergleichbar. Das galt übrigens auch für’s Tal.

Besonders beeindruckend waren aber wieder einmal die dort lebenden Menschen!

Wir wurden mit offenen Armen hilfsbereit empfangen, neugierig befragt, zum Tee eingeladen und äußerst respektvoll behandelt. Wir fühlten uns zu keinem Zeitpunkt der Reise unsicher, auch wenn wir kein Wort Pharsi lesen oder schreiben konnten.

Nach den schneebedeckten Bergen durften Kathi und ich die warmen Kletterfelsen des Landes kennenlernen. Hierbei wurden wir von den einheimischen Profis wie Familienmitglieder aufgenommen. Wir tauchten in ein völlig fremdes Land ein, gewöhnten uns langsam an die iranischen Improvisationskünste und waren bei der Ausreise fast schon wehmütig.

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