13-1030x664.jpg

NEPAL

APRIL/MAI 2016

"Wir hatten eine super schöne Zeit und schon die ersten Eindrücke in der Hauptstadt Kathmandu überwältigten uns. "

Nach meiner bislang besten Saison 2015/2016 mit insgesamt 5 Medaillen in 5 WM-Rennen bei der Biathlon WM in Oslo im März 2016, freute ich mich sehr auf die Reise nach Nepal. Wir brachen zu dritt von München auf. Mit von der Partie waren zwei gute Freundinnen aus Garmisch-Partenkirchen und später sind noch zwei weitere Jungmannschaftler vom DAV GAP zu uns gestoßen. Wir hatten allesamt viel Erfahrung in Sachen Bergsteigen, Klettern und Reisen und unser Ziel war die Besteigung von zwei 6000ern. Außerdem freuten wir uns darauf Land & Leute kennen zu lernen.

Wir hatten eine super schöne Zeit und schon die ersten Eindrücke in der Hauptstadt Kathmandu überwältigten uns. Die Menschen empfingen uns herzlich mit einem selbstgemachten Blumenschmuck, während wir uns links fahrend durch den vierspurigen Stau im Berufsverkehr schlängelten und dabei erste Blicke auf religiöse Denkmäler erhaschten. Es wurde viel gehupt, gewunken, gebremst, geschimpft und vor allem gelacht bis wir den Weg durch den Dunst von Thamel zu unserem Hotel gefunden haben. Sofort tauchten wir in dieses fremde Land ein und haben noch die letzten Erledigungen vor Ort gemacht, bevor unsere Reise weiter in Richtung Berge ging.

Unser Ziel war die Khumbu Region, in der sich auch der Mount Everest befindet. Von Kathmandu aus flogen wir mit bestem Panoramablick nach Lukla, dem abenteuerlichen Flughafen in Mitten des Himalaya. Die Landebahn von nur gut 500m (!!) war zum Glück auch diesmal ausreichend und von da an hieß es so weit die Füße tragen. In den Bergen von Nepal sind die Wege so klein und schmal, dass eine Fortbewegung ausschließlich per pedes möglich ist und das bedeutet gleichzeitig, dass jede Last, egal ob Baumaterial oder Lebensmittel, von den Menschen zu den einzelnen Orten getragen wird. Teilweise ist zwar der Einsatz von Mulis oder Yaks möglich, aber größtenteils haben wir junge Männer getroffen die sich zwischen 30-90kg auf den Kopf luden, um für umgerechnet rund 9-12 Doller pro Tag zu schleppen. Diese Menschen beeindruckten mich zutiefst, denn anstatt zu jammern waren sie frohen Mutes und dankbar für ihre Arbeit.

Unsere Akklimation ging über Namche Bazar, Tengboche und Dingboche nach Chukung. Am Ende des Tales angekommen packten wir unsere Rucksäcke für die Besteigung unseres ersten Berg, dem Island Peak (6189m). Die technischen Anforderungen sollten sich in Grenzen halten und da es noch früh im Jahr war, sind wir beinahe alleine am Berg unterwegs gewesen. Unsere Taktik vom Basislager (5100) direkt zum Gipfel auf- und anschließend wieder abzusteigen, erwies sich als absolut richtig. Das Wetter war perfekt und mit ca. -20°C und kaum Wind eher mild zu dieser Jahreszeit. Die Bedingungen selbst allerdings nicht ganz einfach, da nach einem sehr trockenen Winter einige offene Gletscherspalten und Büßereise auf uns warteten. Die dünne Luft und die letzten steilen Meter verlangten nochmal alles von uns ab, bevor wir am 25.04.16 gegen neun Uhr vormittags den gut 6000m hohen Gipfel des Imja Tse (wie der Island Peak von den Einheimischen auch genannt wird) erreichten. Es war ein überwältigendes Gefühl die Aussicht auf den Makalu (8475m), die 8516m hohe Lhotse-Wand und den 6865m hohen Ama Dablam zu genießen.

Nach diesem Gipfelerfolg für uns fünf erholten wir uns im Tal bei leckerem Dal Baat (Nationalgericht der Nepalesen) und viel Tee. Es wurde auch noch eine Puja von einem buddhistischen Lama abgehalten bevor wir frohen Mutes weiter zu unserem nächsten Ziel zogen: Die Besteigung der Ama Dablam (6865) über den Süd-West Grat.

Unser Basislager war in einer gemütlichen Lodge in Mingbo auf ca. 4600m, umrundet von Granitblöcken und einer Yakweide: schöner hätte es nicht sein können! Wir prüften die Verhältnisse am Berg und richteten jeweils ein Lager auf 5800m (Camp 1) und nach schöner Gratkletterei Camp 2 auf ca. 6050m ein. Die technischen Schwierigkeiten sind bei freier Kletterei mit V+ und Eispassagen bis 80° angegeben, wobei wir auf die Benutzung der Fixseile nicht verzichten wollten. Die Hauptsaison ist auch hier der Herbst, wodurch nur sehr wenige Alpinisten im Vormonsun am Berg aktiv waren. Leider fanden wir auch hier extrem anspruchsvolle Bedingungen wieder und eine viertägige Schlechtwetterphase zwang uns im Basislager auszuharren. Wir vertrieben uns die Zeit mit endlosem Schafkopfen, Lesen, Yoga und natürlich Essen.

Die Zeit bis zu unserem Rückflug drängte und so mussten wir trotz instabilem Wetter aufbrechen. Wir kamen anfangs sehr zügig voran und stellten fest, dass der Niederschlag der vergangenen Tage nicht ganz unerheblich war. Ab Lager 1 trennten sich unsere Wege. Meine beiden Begleiterinnen entschieden sich für den Rückweg ins Basislager um ihren Heimflug nicht zu gefährden, während ich mit den Jungs weiter ins Lager 2 kletterte. Der messerscharfe Granitgrat mit seinen steilen Aufschwüngen und tiefen Flanken machte super viel Spaß und wir hofften auf einigermaßen passablen Bedingungen auch im oberen Teil.

Die Nacht auf rund 6000m war nicht gerade komfortabel und bei unserem Aufbruch um 2 Uhr morgens herrschte ein Schneesturm. Wir kämpften uns an alten Fixseilen, deren Verankerungen teilweise sehr zweifelhaft waren, in senkrechtem Mixedgelände durch die Nacht und erreichten bei Tagesanbruch das Ende der Seile auf Höhe der Mushroom-Ridge. Von dort aus kletterten wir in einer Dreier-Seilschaft gesichert weiter und erreichten Lager 3 (6300m), das allerdings nicht eingerichtet war. Anstatt Firnstapfen wartete eine ca. 60-75° steile Eiskletterei auf uns und in dieser Höhe konnten wir jeden einzelnen Pulsschlag in den Adern spüren. Wir kamen nur sehr langsam vorwärts und ich kämpfte mit dem wenigen Sauerstoff und mir selber. Als uns nur noch 300m vom Gipfel trennten, entschieden wir uns auf ca. 6550m für den Rückzug. Das Wetter wurde wieder schlechter, es begann zu schneien und wir mussten die ganzen Strecken abseilen. Hinzu kam, dass wir keinerlei Ausrüstung in Camp 3 hatten und somit zwangsweise bis auf Lager 2 absteigen mussten um nicht eine ungeschützte Biwaknacht zu riskieren. Natürlich fiel uns die Entscheidung sehr schwer, so kurz vor dem Gipfel um zu kehren, aber im Nachhinein war es das einzig Richtige in diesem Moment. Wir kamen alle ohne Blessuren und nach einigen Stunden des Abkletterns in unser Zelt auf 6050m zurück. Als die Wolkendecke nochmal aufriss konnten wir noch einen wunderschönen Blick auf den Gipfel des Berges erhaschen. Bei dem Anblick der frisch angezuckerten Ama Dablam verspürten wir tiefe Dankbarkeit für die Schönheit der Natur und dies tröstete uns auch über den verpassten Summit weg. Dann hieß es Rucksäcke packen und Abschied nehmen vom Ama Dablam und den netten Menschen, die wir hier am Berg  kennenlernen durften.

Auf dem Rückweg nach Lukla genoss ich nochmal das einfache Leben im Gebirge und all die herzlichen Menschen um uns herum, leider ging dieses Abenteuer schon wieder viel zu schnell vorüber. Ich bin mir sicher eines Tages wieder in diese wilde Berglandschaft des Himalayas zurück zu kehren.

Zum Abschluss gönnten wir uns eine unendlich lange heiße Dusche in Kathmandu, ein paar Mangolassis und umrundeten friedlich die heilige Stupa in der Hauptstadt.

Vielen Dank für die großartige Unterstützung durch die Menschen vor Ort und den Sponsoren wie auch Partner die mich bei meiner Tour unterstützt haben.

Eure Laura

Fotogalerie

1/6

© 2020 Laura Dahlmeier  - tri:ceps GmbH